Arbeitsmarkt in der Schweiz: Was ändert sich im Jahr 2014?


Anzeige

Der Schweizer Arbeitsmarkt gilt in Europa als Vorbild für Flexibilität. Trotz der nicht immer günstigen Wirtschaftslage hat es das gute Zusammenspiel der zuständigen Institutionen erlaubt, einen Anstieg der Erwerbslosigkeit weitgehend zu verhindern. Dass sich daran im Jahr 2014 etwas ändern wird, ist zwar nicht auszuschließen, aber relativ unwahrscheinlich. Die Arbeitslosenzahlen sind in den letzten Monaten sogar leicht zurückgegangen. Während im Februar 3,5 Prozent aller Erwerbstätigen ohne Job waren, ging dieser Wert im März auf 3,3 Prozent zurück.

Vor dem Hintergrund der schwierigen Weltkonjunktur ist dies ein beachtlicher Erfolg, denn die meisten Experten hatten mit einem leichten Anstieg der Zahlen gerechnet. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen: Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) sagte unlängst in einem Interview, er habe einen stärkeren Rückgang der Erwerbslosigkeit erwartet.

Für über 50-Jährige wird die Jobsuche in der Schweiz zunehmend schwieriger

Ein Trend, der Anlass zur Sorge gibt, ist die schlechte Beschäftigungssituation der über 50-Jährigen. Ältere Arbeitskräfte werden häufiger entlassen als früher. Die Folge ist, dass inzwischen mehr als 30 Prozent der Erwerbstätigen in dieser Altersgruppe auf staatliche Transferzahlungen angewiesen sind. Laut einer aktuellen Statistik finden nur 20 Prozent aller Menschen jenseits der 55 überhaupt wieder den Einstieg ins Berufsleben. Diese Zahlen sind alarmierend und werfen kein gutes Licht auf die Schweizer Unternehmen, die immer weniger Hemmungen haben, älteres Personal durch jüngere Mitarbeiter zu ersetzen. IT-affin, flexibel, mobil und jung – dies sind Eigenschaften, die heute von Jobbewerbern gefordert werden. Kaum eine Firma ist noch bereit, in ältere Arbeitnehmer zu investieren.

Das Hilfswerk Heks fordert inzwischen auf Plakaten Chancengleichheit für über 50-Jährige. Die Initiatoren weisen auf die “absurde Situation” hin, dass knapp 20.000 Stellen unbesetzt sind, obwohl es rund 30.000 qualifizierte Bewerber gibt. Auch in früheren Zeiten war die Jobsuche für ältere Arbeitnehmer kein Zuckerschlecken, doch seit der Restrukturierungswelle 2012 hat sich die Situation nochmals deutlich verschärft. Laut einer Erhebung der Outplacement-Firma Lee Hecht Harrison (LHH) betrafen mehr als 40 Prozent der im vergangenen Jahr ausgesprochenen Kündigungen Mitarbeiter über 50 Jahren. Es ist anzunehmen, dass sich dieser Trend im Jahr 2014 weiter verfestigen wird.

Der Zuzug von Ausländern wird stärker begrenzt

Nachdem die Schweizer mit der sogenannten “Minder-Initiative” und der europaweit beachteten “1:12-Initiative” bereits im Jahr 2013 arbeitsmarktpolitische Meilensteine setzten, wurde im Februar auch die “Masseneinwanderungsinitiative” – wenn auch mit knapper Mehrheit – vom Volk goutiert. Damit ist der Weg frei für eine staatlich geregelte Begrenzung der Einwanderung. Gegner der Initiative befürchten, dass sich das Land langsam, aber sicher in die Isolation begibt.

Bei genauem Hinsehen hat dieser Einwand jedoch wenig Substanz, weist die Schweiz mit 23,3 Prozent doch den höchsten Ausländeranteil aller europäischen Staaten auf. Andere klassische Einwanderungsländer wie Australien oder Kanada regeln den Zuzug von Ausländern seit Jahrzehnten über Kontingente, die der jeweiligen Arbeitsmarktsituation angemessen sind.

Eine weitere Volksbefragung steht im Mai 2014 an: Dann wird über die sogenannte “Mindestlohninitiative” abgestimmt, die für Vollzeitbeschäftigte eine Lohnuntergrenze von 4.000 Franken vorsieht. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet und wird ohne Zweifel Auswirkungen auf den gesamten europäischen Jobmarkt haben.

Auf dem Internetportal Jobtonic finden Interessierte weitere Informationen zur Arbeitsmarktsituation und hilfreiche Tipps zur Jobsuche in der Schweiz.

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 4.5 von 5 (4 Bewertungen)
Arbeitsmarkt in der Schweiz: Was ändert sich im Jahr 2014?, 4.5 out of 5 based on 4 ratings Anzeige



Finanz-News zum Thema

Eingetragen in: Europa

Noch keine Kommentare geschrieben

Hinterlasse einen Kommentar